Prof. Dr. Bernhard Pörksen

Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Medienwissenschaftler und Buchautor, Unversität Tübingen

DIE ZUKUNFT DER REPUTATION

Reputation – verstanden als die positive Wahrnehmung von Personen, von Unternehmen und Marken, aber auch von ganzen Staaten oder Nationen – ist unter den neuen Kommunikations- und Medienbedingungen stets fundamental gefährdet. Reputationsaufbau ist schwer, dauert lang und ist mühsam. Reputationszerstörung ist im Zeitalter des Web 2.0, der mobilen Überall-Medien und der „indiskreten Technologien“ (Handys, Smartphones) unendlich leicht geworden.

Mobilität gilt nicht mehr nur für Menschen, die reisen, permanent unterwegs sind, von überall her blitzschnell auf alles zugreifen, was sie an Information brauchen. Hochgradig mobil sind heute auch die Materialien selbst geworden, die Dokumente der Blamage und der Demontage, die privaten Nachrichten und die diskreten Botschaften. Sie besitzen, einmal in Bites und Bytes verwandelt, eine neue Leichtigkeit und Beweglichkeit. Sie lassen sich blitzschnell verbreiten und kopieren, in immer neue, immer andere Kontexte verschieben, bei Bedarf immer wieder recyceln und aktualisieren. Die Folge: Unternehmen müssen neue Strategien des Reputationsmanagements entwickeln, auch und gerade im Krisenfall.

Überdies zeigt sich: Das Netz, insbesondere Soziale Medien, wirken längst normativ in die Gesellschaft hinein. Wer auf Kontrolle, Zensur, Unterdrückung setzt, wird angreifbar („Streisand-Effekt“). Kunden und Konsumenten erwarten den Dialog; sie wollen nicht abgebürstet, sondern ernst genommen werden. Sie erwarten eine Kommunikation, die sich nahbar, authentisch, berührbar zeigt. Noch 1999 formulierten die Macher des visionären Cluetrain-Manifests, das die sich abzeichnende Netzökonomie beleuchtet: „Märkte sind Gespräche.“ Im Social-Media-Zeitalter gilt: „Märkte sind Dialogzwänge.“